Ich bin dabei, meinen Rechner zu beerdigen. -Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich beerdige meinen Rechner. Einer meiner Söhne arbeitet im Handwerk und sagt diesen Satz stets dann, wenn die Reparaturkosten eines Wäschetrockners, einer Waschmaschine oder eines anderen Weißgeräts deutlich über dem Wert des treuen, aber maroden Haushaltshelfers liegen: „Wir haben heute einen Herd beerdigt.“ – Tja, auch mein Rechner war über die Jahre immer langsamer und beim Hochfahren immer lauter geworden. Niemand mehr wollte sich dieser Geduldsprobe noch aussetzen bis auf mich. Während der Rechner in die Gänge kam, habe ich schon mal angefangen, die Handtücher zusammen zu legen und mir schnell noch einen Tee aufgesetzt.
Ich gestehe, mit der Zeit wurde auch ich mürbe. Und nun bin ich an den Punkt gekommen, lieber die Mühe der Umrüstung auf mich zu nehmen, als tatenlos zuzusehen, wie mein Rechner ohne Datensicherung den Geist aufgibt. Faktisch habe ich zwar noch nicht den Stecker gezogen. Aber ich bin – wie das Foto sinnbildlich zeigt - fleißig dabei, dem guten Stück eine Grube zu graben. Inzwischen sind fast alle Dokumente, Downloads, Fotos und Emails gesichtet, gelöscht, auf den neuen Laptop übertragen oder auf der Externen gespeichert.
Im Mangel verharren oder über sich selbst staunenFür eine „computerophobe“ Person wie mich ist dieses digitale Umrüsten eine nervliche Meisterleistung. Inzwischen finde ich sogar schon Gefallen an der neuen, wendigen Funkmaus und am handlichen Laptop - erstaunlich. Es stimmt, wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Es braucht oft handfesten Druck von außen, um unsere Veränderungsbereitschaft zu aktivieren. Bis dahin halten wir uns mit etlichen Anpassungsleistungen über Wasser. Wir gewöhnen uns an den Mangel und geben ihm vielleicht noch eine besondere Note („Mein Rechner lehrt mich, geduldig zu sein.“). Oder wir vermeiden den Blick auf den drohenden Datenabsturz („Wird schon gut gehen.“). Über kurz oder lang braut sich dann allerdings doch Entscheidungsdruck zusammen.
In überlebten Beziehungen kommt es dann häufig zu Abstürzen, also zu Trennungen von hier auf jetzt. Die verlassene Person versteht oft die Welt nicht mehr, steht geradezu unter Schock. Später wird deutlich, dass das Ziehen des Schluss-Striches einen jahrelangen Anlauf brauchte. Das betrifft nicht nur die Person, die aktiv geht, sondern auch die Person, die zurückbleibt. Beide hegten immer wieder Trennungsgedanken, beide zogen sich emotional voneinander zurück, langsam, aber kontinuierlich. Eine wirkliche Aussprache wurde vermieden bzw. es fehlte die Kraft dafür. Schließlich wird die Beziehung leer. Das Auseinanderfallen im Nachhinein zu erkennen, kann sehr schmerzhaft sein, vor allem wenn ein Partner den anderen noch liebt.
Lässt sich solchen Abstürzen vorbeugen? Was können Sie tun, um Ihre Partnerschaft lebendig zu erhalten?
• Zuerst einmal braucht es Mut und Vertrauen in sich selbst und die Beziehung, um sich zu öffnen und damit zu zeigen. Wir sollten einander also ohne Visier begegnen, um drängende Themen zeitnah ansprechen und auch anhören zu können. Viele Menschen wünschen sich solch eine Beziehung auf Augenhöhe. Der Weg dorthin ist ein Übungsweg und daher nie gerade; oft braucht es mehrere Anläufe, um wirklich miteinander zu sprechen. Denn stets schwingt ja auch die Furcht mit, den anderen vor den Kopf zu stoßen oder gar zu verlieren. Auf der anderen Seite stärkt jedes Verstehen, jede gemeinsame Lösung den Zusammenhalt. Hilfe von außen kann für beide angezeigt sein, wenn emotionale Altlasten aus der Biographie und/oder aus der aktuellen Beziehung das Vertrauen erschüttern.
• Partnerschaften, in denen einer oder beide den anderen mit Worten quälen und/oder körperlich verletzen, leiden unter dem Verlust von Respekt. Meist hegt ein Partner den stillen Wunsch, sich zu trennen, hat aber zugleich auch große Angst davor. Emotionale und/oder materielle Abhängigkeit können das Empfinden, keine Wahl zu haben, noch verstärken. Paartherapien überfordern hier oft. Individuelle Begleitung kann helfen, sofern sie ausreichend Schutz und Sicherheit gibt.
• Und auch dies kann sein: Manchmal möchten wir uns gar nicht vom Partner trennen. Wir sprechen zwar von Trennung. Aber je klarer wir uns werden, desto stärker spüren wir, dass die Beziehung stagniert, weil einer oder beide in einem überlebten Alltag verharren. Vielleicht hätte ich schon längst die Stelle wechseln sollen. Aber mir fehlt der Mut und meine Unzufriedenheit provoziert Streit in der Beziehung. Es ist ratsam, sich selbst zu prüfen, wem die Trennung gilt: einer Person oder einer Haltung bzw. einer Lebensphase. – Oder überspitzt gefragt: Nicht wen, sondern was habe ich zu begraben?